DACAPO 10 Jahre Hörsturz
Musikalischer Rückblick macht Appetit auf mehr
aus dem Rüsselsheimer Echo vom 26.03.2007 Autor: Rainer Beutel
Eintracht: Der frühere Jugendchor „Hörsturz“ glänzt im Geburtstagskonzert mit Höhepunkten aus zehn Jahren
Hier und dort war ein leises „Ah, ja“ im Saal zu vernehmen. Das war dann einer dieser Momente, bei denen sich ein Zuhörer an einen früheren Auftritt erinnerte. Den Wünschen, einen alten Song noch mal zu hören – sei es original oder etwas modifiziert – kam der Eintracht-Chor „Hörsturz“ am Wochenende bei seinem Doppelkonzert „Da Capo“ mit einem reichlich bestückten musikalischen Füllhorn nach.
Der Titel war also Programm. Zum zehnjährigen Bestehen gönnte sich der einstige „Jugend“-Chor des ältesten Nauheimer Vereins einen Rückblick auf nicht vergessene Zeiten. So wurden „Nauheimer Träume“ erfüllt, um hier mal auf den ersten Song des Abends „California Dreams“ anzuspielen.
Mit „Time Warp“ und einigen Ohrwürmern aus „Grease“ ging es bei den beiden Auftritten in der Jahnhalle los, unterbrochen von einem Gastspiel des Eintracht-Chors „Mittendrin“. Die Premiere von „Da Capo“ am Samstagabend war ausverkauft, für den gestrigen Sonntagabend waren nicht weniger Besucher erwartet worden. Auf ihre Kosten kamen die Fans beim Abend der Erinnerungen allemal.
Wessen Gedächtnis nicht mehr ganz so gut arbeitete – wer weiß denn noch auf Anhieb, was 1997 oder 2002 bei diesem oder jenem Auftritt gesungen wurde? -, der konnte das Programmheft nutzen. Dort hatte der Jugendchor zwar nicht die Titel verraten, aber einige Hinweise auf die Zeiten von einst geliefert. Das Musical „Kaiserschnitt“ mit Stücken wie „Bad Touch“ und „Smooth Criminal“ oder „Kommt an Bord“ aus der Aufführung „Boot Trip“ genoss allerdings auch ohne die Notizen einen großen Wiedererkennungswert. Untergliedert war die Show in Themenblöcke, einen „roten Faden“ in Form einer Geschichte gab es bewusst nicht.
Die eigene Historie bot dem „Hörsturz“ genügend „Futter“, um den Besuchern Appetit auf mehr zu machen, sei es mit Gospels („Lean on me“) oder Liebesliedern („Somebody to love“). Einzelne Chormitglieder brillierten als Solisten, sie alle aufzuzählen, würde hier den Rahmen sprengen, denn die Ehre, einen Part alleine zu singen, hatte fast jeder mal.
Auch mit einigen Legenden wurde aufgeräumt, etwa der Annahme, bei einem Stück im Musical „Boot Trip“ sei damals der Song vom Band gespielt worden. „Wir treten heute den Beweis an, dass dem nicht so war“, hieß es am Samstag, bevor es dem Publikum bei dem Titel „Fever“ schon beim Stillsitzen und Zuschauen heiß werden konnte.
Auch die „Freaky Flames“, eine mit dem Hörsturz befreundete Tanzgruppe, konnte eine umjubelte Zugabe aus der Show „Die jungen Wilden“ aufführen. Zuvor waren die „Swingles“ der Rüsselsheimer Kant-Schule als Repräsentant der Gruppen zu sehen, die einst bei den „Freestyle-Konzerten“ ihr Können unter Beweis gestellt hatten. Keine Frage, der musikalische Rückblick ist dem Hörsturz-Chor gelungen.
Etwas nervig waren am Samstag der um 20 Minuten verzögerte Konzertbeginn und das langen Warten der Besucher in der Kälte vor der Jahnhalle. Innen probte noch der Chor „Mittendrin“. Im Saal jedoch war den vielen Verwandten und Freunden der Protagonisten der Stolz auf den erwachsen gewordenen Gesangsnachwuchs anzumerken. Jetzt sind alle gespannt, was die zweite Dekade bringt.

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