aus dem Zeitungsbericht des Rüsselsheimer Echos -Samstag der 17.09.2005
Dirigentin bringt den Chor in Schwung GV Eintracht:
Sängerinnen sind mit Silvia Tollkien hoch zufrieden
– „Sie bringt uns das Singen bei“
Die Sängerinnen sind voll des Lobes. Die neue Chorleiterin beim Gesangverein Eintracht – das sei jemand, von dem die Chöre noch unheimlich viel lernen könnten. Und es mache auch mehr Spaß denn je, in die Proben zu kommen, freuen sich die Frauen der Chorgruppe „Mittendrin“. Die Anerkennung nach nur wenigen Stunden gemeinsamen Übens gebührt Silvia Tollkien. Die quirlige Dirigentin hat die Nachfolge von Johannes Püschel angetreten.

Tollkien leitet nun das Ensemble „Mittendrin“ und den gemischten Chor, der sich vor einiger Zeit aus Frauen- und aufgelöstem Männerchor gebildet hat. Sie bringt reichlich Erfahrung mit. Seit 26 Jahren arbeitet Tollkien als Chorleiterin. Mit 14 Jahren war sie ausgebildete Dirigentin. Sie stammt aus Dortmund und ist im März nach Riedstadt gezogen. Ihr gehört ein eigener Chorverlag, als Komponistin arbeitet sie ebenfalls. In unserer Region führt sie den Taktstock bei zwei Ensembles des SCH 1842 Ginsheim, der traditionellen Chorgemeinschaft und der Gruppe „Vocomotion“.
Sie bevorzugt die asiatische Stimmausbildung. Dabei werde der ganze Körper bewegt, erklärt sie. Muskeln und Nerven würden so aktiviert, dass sich die Stimmbänder ausdehnen, aber nicht abnutzen. „Langfristig erlaubt das größere Töne“, versichert die Expertin. Beim Warmsingen und bei der Probe ist das sofort erkennbar. „Mittendrin“ kommt schnell in Schwung. Die Frauen bewegen sich im Rhythmus eines Gospels, swingen locker aus den Knien heraus. Freilich klappt das nicht von selbst, ein bisschen Antrieb ist nötig. „Steht bloß nicht so steif da, wir werden fotografiert“, scherzt Tollkien.
„Sie hat einfach mehr Power“, berichtet Esther Gräff von ihren Erlebnissen in den ersten Singstunden. Hannelore Siegl gefällt, „dass die Dirigentin sehr viele Ideen hat“. Und Vorsitzende Schnittler urteilt auch mit einem kleinen Seitenhieb auf Vergangenes: „Sie bringt uns das Singen bei.“
Silvia Tollkien kann einiges bieten. Sie selbst singt über dreieinhalb Oktaven. Sie will das Kulturgut traditioneller Chöre erhalten und pflegen. Aber ihr schweben auch einige modernere Projekte vor, darunter eine Kooperation zwischen den Chören aus Nauheim, Ginsheim und Jugendheim. In dem Ort bei Mainz wolle sie in Kürze die Leitung von fünf Chören übernehmen, kündigte sie an. In drei Orten könne ein Netzwerk von Sangesvereinigungen entstehen, die sich gegenseitig unterstützen, etwa in gemeinsamen Workshops. Doch eine zu enge Anlehnung an andere ist nicht geplant. „Jeder Chor hat seinen eigenen Charakter“, sagt die Frontfrau. Falls beispielsweise die Nauheimer nicht wollen, sei das okay. Zwingen wolle sie niemand, doch Marianne Schnittler hat in ihren Reihen schon positive Signale für eine Öffnung nach außen aufgenommen.
Das vorrangige Ziel für die Eintracht ist die Vorbereitung auf das nächste große Konzert in einem Jahr. Zeitlich näher ist der Chorwettbewerb der Kreissparkassen am Samstag, 8. Oktober, in Kelsterbach, an dem „Mittendrin“ teilnimmt.
Wie sich die Arbeit der neuen Chorleiterin in wenigen Wochen auswirken wird, kann noch niemand vorhersagen.
Bis in einem Jahr aber will Silvia Tollkien ein Lied komponieren, das sie den singenden Frauen widmet. Inspiriert wurde sie vom Namen „Mittendrin“. „Das könnte vielleicht eine Erkennungsmelodie werden“, schwärmt sie von ihrer freiwilligen Zusatzaufgabe.
Rainer Beutel 17.9.2005

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